So kreativ war der Beton-Art-Award 2026
In der vergangenen Wettbewerbsrunde haben die Schülerinnen und Schüler wieder bewiesen, was Beton alles kann. Als Kreativbaustoff kann er noch viel sein mehr als große graue Fundamente und Bauwerke. Bei der Preisverleihung erzählten die Gewinnerteams im Gespräch mit der Jury von ihren Herausforderungen, Tricks und Erfolgen beim Arbeiten mit Beton. Ein Rückblick auf die kreativen Highlights 2026.
Wenn rauer Beton Erinnerungen weckt
Dass eine unsaubere Betonoberfläche künstlerisch wertvoll sein kann, bewies das Team „Solo arc“ aus Waiblingen auf Platz 3. Das Werk „Eine alte Erinnerung“ zeigt ein verwittertes Kneippbecken, teilweise mit Moos bedeckt, an dem ein alter Mann wehmütig verweilt. Der raue, fast bröckelige Beton, der dem Kunstwerk Charakter verleiht, ist den technischen Umständen geschuldet. „Wir hatten kein Silikon, sondern eine Kunststoffbox und Ton. Den muss man schon sehr fein bearbeiten, damit das alles nachher klappt, wenn man das Kunstwerk im Anschluss rausholt“, erklärte Herr Neumann, die betreuende Lehrkraft zum Fertigungsprozess.
Für die Jury war das kein Makel, im Gegenteil, sie war von der Umsetzung begeistert, weil die Betonform clever weiterentwickelt und inszeniert wurde. „Für uns zeigt das Projekt eindrucksvoll, wie man vermeintliche Materialfehler auch ganz gezielt einsetzen und sinnvoll nutzen kann“, erklärte Jurorin Conny Eck in ihrer Laudatio. Vor allem die unheimlich stimmige und poetische Fotografie überzeugte die Jury. „Dadurch hebt sich das Werk von vielen anderen Werken im Wettbewerb ab und ist in seiner gefühlvollen Präsentation wirklich einzigartig“, führte Eck aus.
Schicht um Schicht entstehen lebensgroße Skulpturen
Auf Platz 2 landete mit „Schatten des Schulhofs – In den Spuren Giacomettis“ ein Projekt, das schon durch seine Größe herausragt. Der Kreativkurs der 8. Klasse aus Bremen ließ sich vom Künstler Alberto Giacometti inspirieren und betonierte lebensgroße Figuren auf den Innenhof der Schule. Die Lehrerin Frau Herbst stellte bei der Preisverleihung direkt klar: „Sie stehen natürlich noch und bleiben auch stehen. Dank des witterungsbeständigen Materials, das wir von innen durch Maschendraht gestärkt haben, werden sie sicherlich einige Jahre hier bleiben.“
Das Werk ist sehr harmonisch, wie Jurorin Sabine Schädle erklärte: „Die Gruppe von Figuren wirkt wie eine Szene auf dem belebten Schulhof, so als ob ihr dort den Schulalltag sozusagen eingefroren habt. Das Ensemble fügt sich perfekt in die Umgebung ein und man erkennt, dass das Werk wirklich genau für diesen Ort geschaffen wurde.“ Von exakt der Stelle war die Klasse auch zur Preisverleihung zugeschaltet. Sie saßen direkt neben ihrem Werk.
Die Größe des Kunstwerks machte den Prozess herausfordernd. Das erforderte Geduld und Geschick: „Wir haben die Figuren Etage für Etage gestaltet. „Erst die Füße, dann die Beine bis zu den Knien, dann bis zur Hüfte und so weiter.“ beschreibt Herbst den Prozess. Nur bei der Oberflächengestaltung sah das Team noch Optimierungspotenzial. „An der Oberfläche könnte man arbeiten und überlegen, wie man sie glatter bekommen könnte“ erklärte ein Schüler und machte damit klar, dass das Thema Beton für sie noch viel zu bieten hat.
Ein perfektes Zusammenspiel aus Botschaft und technischer Umsetzung begeistert
Den 1. Platz sicherte sich in diesem Jahr das Team „Kleeblatt“ vom Gymnasium St. Kaspar im nordrhein-westfälischen Bad Driburg. Das Werk „Unsere Sisyphusaufgabe“ zeigt eine Friedenstaube, die erschöpft versucht, eine Weltkugel einen Berg hinaufzuschieben. Den Gedanken dazu beschrieben die drei Schülerinnen so: „Wir wollten etwas mit Krieg darstellen und zeigen, dass die Welt sich in einem sehr schlechten Zustand befindet.“
Das Kunstwerk überzeugte inhaltlich wie technisch. Juror Ulrich Nolting betonte: „Diese Kombination, diese Bildaussage und die Art und Weise, wie ihr das kreativ umgesetzt habt, hat uns einfach richtig begeistert.“ Den Schülerinnen sei es gelungen, den Eindruck zu vermitteln, dass der Vogel tatsächlich fliegt, aber gleichzeitig etwas extrem Schweres schiebt.“ Dazu lobte Nolting auch die unterschiedliche Oberflächengestaltung des rauen Grunds, der glatten Erdkugel und des gefiederhaften Vogels.
Die Erdkugel ist nicht ganz rund. Das ist aus Zufall beim Gießen entstanden, wie die Elftklässlerinnen verrieten: „Die haben wir in einer Gummiform gegossen. Dadurch, dass das Material sehr schwer ist und dann so ein Druck entsteht, bleibt das nicht ganz rund.“ So entstand der Eindruck einer eingedellten, strapazierten Erde, die Nolting im Namen der Jury jedoch positiv hervorhob: „So wird die Wirkung verdeutlicht, wie schwierig es für eine Friedenstaube in diesen Zeiten ist, die Welt in die richtige Richtung zu lenken.“ Auch die Schülerinnen waren mit dem ungeplanten Detail mehr als zufrieden: „Von der Erdkugel waren wir positiv überrascht, die fanden wir am Ende sehr toll.“
Schon gesehen?
Neben den Hauptpreisen fielen zwei weitere Projekte der Jury besonders auf: Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule Trusetal (Thüringen) entwickelten ein eigenes Spiel für den Schulhof und gossen dafür große, bunte Spielfiguren aus Beton. Technisch brillierte zudem das Team vom Gymnasium Nidda (Hessen). Es formte ein komplexes Gebilde aus fünf ineinandergreifenden Beton-Händen. Für beide Leistungen sprach die Jury eine lobende Anerkennung aus.
